Fachtagung Antirassismus und Antidiskriminierung in der Sozialen Arbeit

VonGF

Fachtagung Antirassismus und Antidiskriminierung in der Sozialen Arbeit

Am 04. April 2019 hat die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen – zusammen mit den Sozialpsychiatrischen Kompetenzzentren für Migration Mülheim, Essen und Oberhausen – Fachkräfte in der Sozialen Arbeit zu den Themen Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus ins Jüdische Gemeindezentrum am Springwall eingeladen. Mit über 100 Teilnehmer*innen war die Veranstaltung für alle Beteiligten ein voller Erfolg. Frau Doobe von der PHG Duisburg eröffnete den Fachtag mit einer kurzen Begrüßungsansprache. Darauf folgte ein straffes Programm mit vier Fachvorträgen von ausgezeichneten Experten, die jeweils aus einer anderen Perspektive Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus betrachteten. Shabnam Shariatpanahi von SPKoM Meo führte mit einer charmanten, kurz und bündig gehalten Moderation durch das Veranstaltungsprogramm.

Im ersten Vortrag von Prof. Dr. Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein ging es im Wesentlichen um die eigenen Erfahrungen, Erwartungen und „Bilder im Kopf“. Jeder sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel mit einem eigenen – sehr begrenzten – Bildausschnitt. Vor allem, wenn man unaufmerksam ist, passiert es irgendwann jedem ganz unbewusst, andere vorschnell in Schubladen zu stecken und zu stigmatisieren.

Prof. Dr. Karim Fereidooni

Prof. Dr. Karim Fereidooni

Der zweite Vortrag von Prof. Dr. Karim Fereidooni von der Ruhr-Universität Bochum widmete sich dann schwerpunktmäßig dem Rassismus. Mit viel Humor demonstrierte Karim Frereidooni anhand von Beispielen aus Kinderbüchern von in Deutschland sehr beliebten Kinderbuchautoren, wie mittels rassistischer stereotyper Bilder bereits die Jüngsten unserer Gesellschaft, unsere Kinder, in ihrem rassistischem Denken geprägt werden. Über auf den ersten Blick harmlos scheinende Kinderbücher werden diese Bilder vermittelt und geraten ins Kinderzimmer. Ebenso anschaulich waren seine Beispiele für Alltagsrassismus, die in der Regel von Mitmenschen kommen, die sich selber als offen und absolut nicht rassistisch einstufen würden.

Prof. Dr. Julia Bernstein, von der University of Applied Sciences Frankfurt stellte im Anschluss die Ergebnisse ihrer gerade abgeschlossenen Forschungsarbeit vor. Fokus dieser Forschungsarbeit ist Antisemitismus an Schulen aus Sicht

Prof. Dr. Julia Bernstein

Prof. Dr. Julia Bernstein

von Betroffenen. Anhand von Beispielen zeigte Julia Bernstein, wie tradierte stereotype Antisemitismusbilder noch heute aktuell sind und z.B. werbewirksam genutzt werden. So war der österreichische Sprachkursanbieter Berlitz mit einem „jüdisch aussehenden“ Mann in einem Zugabteil und der Sprechblase „das Leben in vollen Zügen genießen“ zu sehen. Der Vortrag ist vielen Teilnehmer*innen sehr nahe gegangen und hat sie betroffen gemacht.

Den Abschluss der Fachvorträge machte die Theologin und Historikerin Anne Broden, indem sie noch einmal auf die einzelnen Definitionen von Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung einging. Ihr Blickwinkel war auf den institutionellen und diskursiven Rassismus gerichtet. Auch Anne Broden verstand es, die Teilnehmer*innen mitzunehmen und aktiv einzubinden. So demonstrierte sie mit den Teilnehmer*innen als Probanden, wie sich die Bilder in unseren Köpfen durch äußere Beeinflussung anpassen. Alle Anwesenden konnten direkt erleben, wie leicht beeinflussbar man selber ist und man immer wieder versuchen sollte, seine Sehgewohnheiten zu unterbrechen und in Frage zu stellen. Anne Broden betonte noch einmal die fünf Wahrnehmungsstörungen, die bezüglich Rassismus vorherrschen:  1. Rassismus ist kein vergangenes Phänomen, sondern nach wie vor aktuell. 2. Institutioneller/struktureller Rassismus ist auch in einer Demokratie möglich. 3. Rassismus ist nicht nur ein Phänomen des rechtsextremen Randes, sondern ist überall in unserer Gesellschaft zu finden. 4. Rassismus ist keine Überempfindlichkeit der Betroffenen. 5. Rassismus ist nicht als Skandal derer zu sehen, die ihn problematisieren.

Die Mittagspause, die im Programm als Eat and Meet angekündigt war, bot Zeit für einen Austausch an den vorhandenen Informationsständen. Vertreten waren hier das Anti-Rassismus Informations-Centrum NRW e.V. (ARIC), die Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit in Düsseldorf (SABRA), der LVR mit Informationen über die Arbeit der SPKoM’s sowie der Stand der „mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus“.

Den finalen Abschuss des Fachtages machten die Kurzvorstellungen der Beratungsstellen ARIC NRW e.V. durch Dipl.-Sozialwissenschaftlerin Gülgün Teyhani und SABRA durch Sophie Brüss.

 

 

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